Foodies, LoHas und Groschengourmets

An Essen scheiden sich die Geister, die einen wollen es möglichst billig, die anderen so teuer wie irgendwie möglich. Die meisten bewegen sich wohl irgendwo dazwischen. Ich selbst pendele regelmäßig zwischen Rettung der Welt und der Rettung meiner Finanzen. 
Natürlich rettet man damit nicht die Welt. Mit billig-billig.Doch das ist eh schwieriger als man denkt. Biotiere haben nicht viel mehr Platz und nicht unbedingt das bessere Futter. Die Biobanane tuckert monatelang übers Meer. Auf einem Containerschiff, das nicht mit Strom fährt. Es hat auch keine Segel.
Ich für meinen Teil mag das Konzept des regionalen Anbaus.
Im Winter gibt es keine Erdbeeren und keinen Spargel. Auch hier kann man es wieder übertreiben. Einen 60km Kreis zu ziehen, wie es viele Vertreter dieses Konzeptes verlangen, ist sicherlich vollkommen überzogen. Dann gibt es im Winter viele Äpfel und viel Kohl. Das frustriert auf Dauer. Und Essen soll definitiv nicht frustrieren. Mein Kreis ist größer. Ich habe nichts gegen spanische Erdbeeren und holländische Gurken. Tomaten esse ich nicht im Winter, aber nur deshalb, weil sie mir nicht schmecken. Das kann aber auch für eine regionale Tomatensorte mitten im Sommer gelten.Doch, wer würde nicht gerne nur mit der richtigen Kaufentscheidung die Welt retten?
Menschen, die das so sehen, sind unter anderem wohl Lohas. Wikipedia sagt dazu:
Das Akronym LOHAS (nach engl. Lifestyles of Health and Sustainability) bezeichnet Personen, die einen Lebensstil pflegen, der von Gesundheitsbewusstsein und -vorsorge sowie der Ausrichtung nach Prinzipien der Nachhaltigkeit geprägt ist. Im Marketing handelt es sich um einen entsprechenden Konsumententyp. Häufig handelt es sich um Personen mit überdurchschnittlichem Einkommen. LOHAS-Konsumenten sind beispielsweise Natur- und Outdoor-Urlauber, Kunden von Bioläden oder Biosupermärkten. Ihre Motive ähneln denen der Slow-Food-Bewegung.
Klingt nach Gutmensch.Und einer sehr cleveren Methode, Kundschaft für Bioläden zu generieren.
Foodie ist eine Begriff, welcher mir in amerikanischen Serien öfter mal begegnet und scheinbar Menschen bezeichnete, die einfach gerne gutes Zeug essen. Wikipedia ist da etwas differenzierter:
Foodie ist eine informelle Bezeichnung für eine bestimmte Gruppe von Feinschmeckern. Es sind in einer Minimaldefinition Menschen, die ein starkes Interesse (eine Leidenschaft) daran haben, zu essen und über das Essen zu lernen ohne dabei ihren Lebensunterhalt mit einer gastronomienahen Tätigkeit zu bestreiten.Foodies sind Feinschmecker und Kenner von Qualität, schätzen Selbstgemachtes und hochwertige Zutaten. Gesundheit und Genuss sind ihnen gleichermaßen wichtig. Viele Foodies sind Vegetarier. Foodies sind in der Regel Ende 20 bis Anfang 50 und meist weiblich.

Klingt schon ein bisschen weniger nach Gutmensch. Dafür mehr nach Geld und Trends. Esstrends finde ich, wie Modetrends, entbehrlich. Außerdem ist mein Geldbeutel sehr klein und ganz oft ganz leer. 3,50 pro Tag müssen reichen.

Essen ist etwas Tolles. Essen kann sozial sein, man kann es teilen, verschenken, geschenkt bekommen, man kann drüber reden oder schreiben. Es macht satt und hält leistungsfähig, aber viel mehr noch kann es glücklich machen. Und es lädt zu Traumreisen ein. Bratkartoffeln von Mutti,  die Tomaten aus Spanien, Oliven aus der Türkei, Schokolade aus der Schweiz und Pommes aus Belgien. Essen ist sinnlich.
Deswegen finde ich es wichtig, dass Nahrungsmittel gut sind. Gut im Sinne von qualitativ einwandfrei. Nicht optisch, Optik ist etwas sehr sozialisiertes. Grade Gurken, krumme Bananen und bunter Joghurt. Selbst kochen ist nicht nur verdammt günstig, es schmeckt auch gut. Doch der Zeitaufwand sollte im Verhältnis stehen – ich sag nur Blätterteig!
Ein Begriff, der mir im Internet über den Weg gelaufen ist, ist Groschengourmet. Darüber sagt Wikipedia gar nichts und Google schmeißt es in einen Topf mit der Mantaplatte. Mir gefällt er besonders gut. Gourmets sind Menschen, die Essen lieben. Dann müssen Groschengourmets Menschen sein, die Essen lieben, aber den Preis im Blick haben (müssen).
Und vor allem gefällt mir: Es wertet niemanden ab. Warum sind wir so gemein zu Menschen, die bei McDonalds essen? Oder lästern über Menschen, die im Sternerestaurant speisen? Essen ist sehr selten etwas, was man sich bewusst aussucht. Was man als Kind gegessen hat, prägt uns ein Leben lang. Es wird immer Essen geben, was uns selbst dann schmeckt, wenn alles andere doof ist. Und das wird selten Essen sein, welches grade auf der Hipnessskala die TopTen erklimmt. Und ganz oft trieft es vor Fett. Oder Zucker. Oder beidem. Und das ist vollkommen in Ordnung. Ein Lebensmittel ist nicht per se böse. Oder schlecht.
In diesem Sinne und inspiriert durch das böse Internet:
Wenn euch jemand sagt was ihr zu essen habt, esst ihn auf! 
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2 Gedanken zu “Foodies, LoHas und Groschengourmets

  1. „Was man als Kind gegessen hat, prägt uns ein Leben lang.“

    Das ist vermutlich der wahrste Satz in Sachen Nahrungsaufnahme.

    Weiterhin viele richtige Gedanken.

    Du gehst nicht auf das Leben von Tieren ein. Vielleicht bist Du ja Veganer. Ich glaube, dass man da deutlich bewusster essen sollte, denn da geht es nur um uns, sondern auch um das Tier. Lieber weniger Fleisch, als nur Fleisch aus Massentierhaltung.

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    1. Tatsächlich, das habe ich ausgespart.
      Ich bin keine Veganerin, jedoch versuche ich, Fleisch nur aus vertrauenswürdiger Quelle zu beziehen. Damit lege ich sicher strengere Maßstäbe an, als der konventionelle Bioesser, denn Biofleisch kaufe ich per se nicht. Und die Geldbörse limitiert dann den Verzehr doch arg 😉
      Vielleicht sollte ich dazu nochmal einen eigenen Artikel machen, der irreführende Ablasshandel mit dem Biotier….

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