PickUp Artists – (k)eine Aufregung?!

Ein Mann, dessen Job es ist, anderen Männern zu zeigen, wie sie Frauen ins Bett bekommen ist in Deutschland. Und die feministische Netzwelt steht Kopf. Zu Recht?

Wie auch schon bei anderen Artikeln wird es hier aus Gründen der „Propaganda“ keine Verlinkung auf die Workshops dieses Mannes, der Organisation oder Videos geben. Ich möchte nicht, dass durch diesen Blogpost Klickzahlen generiert werden.

Im ersten Moment, als diese Meldungen bei Twitter in meine Timeline schwappten, war ich außer mir vor Wut. Ein Mann vertritt nicht nur sexistische und menschenverachtende Ansichten zum Thema zwischenmenschlicher Beziehung, sondern verdient auch noch sein Geld damit, anderen Männern zu zeigen, wie man Frauen* gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen bringt.

Ich schäumte. Ich las Kommentare unter Artikeln, die diese Workshops klein redeten.
„Das ist doch nur ein Flirtkurs“
„Mir hat das total geholfen im Umgang mit Frauen“
„Die Frauen wollen doch genau das“

Als ich diesen Post anfing und Twitter davon berichtete, bot man mir „objektive Berichte“ an.

Um diesen Punkt abzuschließen: Menschen können selbstverständlich ohne eine tiefergehende Beziehung zu haben, Sex miteinander haben. Bin ich völlig für. Dies jemandem aufzuzwingen, seine gesellschaftliche Position, Erziehung, Sozialisation und Scham zu nutzen, um seine eigenen sexuellen Wünsche von Macht, Erniedrigung und Gewalt zu befriedigen, ist verachtenswert.
Wohlgemerkt, ich bin auch nicht gegen eine einvernehmliche BDSM Beziehung, in der diese Wünsche durchaus ihren Platz finden können. Die Schlüsselwörter sind einvernehmlich. abgesprochen.

Dieser Mann, ist Kopf einer Bewegung, eins ihrer Aushängeschilder. Seine Methoden und Praxis sind so massentauglich, dass er damit einen Saal füllen kann und sich „trauen darf“, sie öffentlich kund zu tun. Da gibt es nichts kleinzureden.
Es ist furchtbar, dass dieses Maß an sexualisierter Gewalt nicht eine klare Abwehrhaltung in der Gesellschaft hervorbringt. Das Wort rape culture kommt mir in den Sinn.

Und doch. Im zweiten Augenblick fiel mir ein Gespräch mit einer Wissenschaftlerin ein. Wir sprachen darüber, dass wir momentan eine Renaissance alter Rollenbilder erleben. Dass es salonfähig ist, gegenüber dem feministischen Diskurs aggressiv aufzutreten. Dass Maskulinismus Zustimmung findet. Kurz gesagt, alles immer schlimmer wird, statt besser.
Und sie sagte mir, dass diese Ausfälle, sie bezog sich auf den Vorfall der Bedrohung einer Genderwissenschaftlerin, dass all diese Aggression und Gewalt ein Zeichen dafür sein können, dass sich ein Modell überholt.
Die letzten Überreste klassischer Geschlechtermodelle, deren Vertreter sich heftigst wie nie wehren.

Verzweifelt nicht, angesichts dieser geballten Aggression. Kämpft weiter, bleibt gelassen. Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Aggression, die Verzweiflung, die uns hier entgegenschreit, ist ein Zeichen, dass man uns ernst nimmt. Wir alle, die ein modernes Menschenbild leben, atmen, weitertragen, sind eine Gefahr für die Weltbilder jener, die es nicht tun.

Adieu, Julien Blanc, Vertreter dieses alten Modells, du hast ausgedient. Wir brauchen dich nicht mehr.

Adieu.

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2 Gedanken zu “PickUp Artists – (k)eine Aufregung?!

  1. Deine These ist also, dass sich dieser konservative Backlash, der sich derzeit ergießt, über kurz oder lang überholt hat? Da würde ich gern entsprechende Zahlen sehen, die dies untermauern. Meine Filterblase gibt das nicht her (aber so ist das Wesen von Filterblasen).

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