Wie ich mein Leben entrümpelte. Teil 1

Ich habe ja bereits, als einer meiner ersten Artikel, über Minimalismus geschrieben. Und darüber, dass ich kein Papier mehr habe. Bisher schwang meine Einstellung immer so mit. Doch gestern inspirierte mich eine liebe Kollegin dazu, mal ganz konkret aufzuschreiben, was ich so mache. Das finde ich gut, ich nerve euch alle stets mit Büchern über die Metaebene und suche selbst doch nach einem Weg, das ganz praktisch umzusetzen. Hier ist also meiner:

Der Minimalismus, oder besser Suffizienzgedanke ist mittlerweile so sehr Teil von mir geworden, dass er in fast alle Lebensbereiche vorgedrungen ist. Deshalb wird das hier eher eine offene Serie, als ein abgeschlossener Artikel.

Dies ist mein ganz persönlicher Weg, mein Leben im Sinne der Suffizienz zu gestalten. Nicht jeder muss oder kann dem folgen. Ich möchte nicht ohne Möbel sein. Ich kann aber auch einfach nicht tausend Dinge konsumieren. Das ist ein bisschen, wie Neo und die rote/blaue Pille. Du kannst manchmal einfach nicht zurück und so tun, als wäre alles wie vorher.

Angefangen hat es ja damit, dass ich aufgeräumt und entrümpelt habe. Ganz praktisch. Alle Schubläden, Schränke, Kisten, Boxen, Fächer, einfach alles ausräumen und streng aussortieren. Brauche ich das wirklich? Wofür? Wann? Wann habe ich es zuletzt benutzt? Das tue ich heute noch regelmäßig.

Alles was ich aussortiere, prüfe ich noch auf Tauglichkeit. Dann wird es verkauft, gespendet, verschenkt oder verarbeitet. (Ein alter Mantel ist meine Wollstoffreserve und hat den Stoff für meinen Teebecher geliefert. Tierheime freuen sich über alte Handtücher etc)

Meiner Meinung nach ist es absolut nicht notwendig, viele Dinge zu besitzen. Man muss damit ggfs. umziehen. Sie wollen gepflegt werden. Unnötig. Und belastend. Besitz geht mit Verantwortung einher und die will ich wohldosiert sehen.

Außerdem, und das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt, bedeutet wenig Konsum, wenig CO2. In meinem letzten Rant hatte ich versucht, deutlich zu machen, warum „guter Konsum“ immer schlechter ist als wenig Konsum. Die Herausforderungen der Postwachstumsgesellschaft sind meine Motivation.

Kommen wir zu der Umsetzung:

Das Badezimmer und die Kosmetik:

Das Badezimmer ist bei anderen Menschen oftmals ein wahrer Plastiksammelraum. Tuben, Tiegel, Flaschen, Dosen. Wenn die Waschmaschine drin steht, kommen noch drei Waschmittel, Weichspüler, Reiniger und Fleckensachen dazu. Nachfolgend mache ich eine Liste auf, was wir haben, bzw. nicht mehr haben und was unsere/meine Lösung dafür war.

Waschmittel: Benutzen wir natürlich. Keine Frage. Wenn unser Vorrat alle ist, werden wir aber auf Frosch oder ein ähnliches Produkt umsteigen. Alles wird aufgebraucht, Wollwaschmittel und anderes wird nicht mehr nachgekauft.

Weichspüler: Gestrichen. Manchmal ist er notwendig, dann wird er durch eine Tasse Essig ersetzt.

Trockner: Besitzen wir nicht. Anstatt einen anzuschaffen, suchen wir für Handtücher und Bettwäsche noch nach einer Alternative.

Fleckensalz: Gestrichen. Ersatzlos. Haben aber weder Kinder noch Haustiere (den Sauerteig nehme ich hier aus)

Badreiniger: Wurde ersetzt durch eine Mischung aus Wasser, zwei Tropfen Spüli, ein bisschen Soda. Entfernt grandios alle Flecken. Wenn man viel Kalk hat, bietet sich Essig und/oder Zitronensäure an.

Glasreiniger: Wir haben ein Glastuch aus Mikrofaser, was hier alle Glasflächen blitzsauber poliert. Auch alle anderen Putzlappen sind solche Dinger, kommen dann einfach in die Maschine. Halten auch gefühlt ewig.

Kloreiniger: Wenn ich den Wasserkocher entkalke (Zitronensäure), kippe ich das heiße Wasser danach in den Ausguss/das Klo etc. Alles sauber.

Klopapier: Wenn das mega Paket aufgebraucht ist, wird die Recycling Variante gekauft. Ärgerlich, dass auch dieses in Plastik verpackt ist, diese nutze ich dann als Mülltüte. Ich bleibe dran.

Handtücher: Unsere Frotteetücher sind nicht mehr so schön und werden durch fehlenden Weichspüler und Trockner leider auch nicht schöner. Wir haben auf dem Weihnachtsmarkt sogenannte Pestemals entdeckt, Hamamtücher. Diese haben keine Schlingen und sollen auch so weich und toll bleiben. Der Umstieg ist geplant. Mal schauen. Generell haben wir gnadenlos reduziert. Niemand braucht pro Person zehn Handtücher. Wirklich niemand.

Shampoo: Ich wasche meine Haare mit Seife. Kein Plastik, kein Palmöl. Man unterstützt kleine Manufakturen. Tolle Sache. Ich wasche meine Haare übrigens dank Wildschweinborstenbürste eher selten.

Spülung: Drei Esslöffel Essig und Wasser. Haare sind gesund, glänzend und fühlen sich toll an. Und riechen nicht nach Essig. Manche Haare mögen Zitrone, meine leider gar nicht. Also Essig.

Haarkur: Brokkolisamenöl. Das geilste Zeug ever. Ich bin sehr angetan. Der Geruch verfliegt, es pflegt die Spitzen/Längen und lässt den Kopf nicht so schnell fettig aussehen. Und es reicht wahrscheinlich für immer und ewig. Jedenfalls gefühlt.

Duschgel: Ebenfalls Seife. Ich bestelle gerne bei Pflegeseifen. Meine Haut findet das ganz prima, sie ist nämlich sehr empfindlich. Seife reicht sehr lange. Außerdem kann ich nur gnadenlos ehrlich empfehlen: Waschen tut es auch mal, es muss weder jede Woche ein Vollbad sein, noch jeden Tag 30 min Duschen.

Rasierschaum: Ersatzlos gestrichen, dank Seife. 🙂

Einwegrasierer/Systemrasierer: Ich habe meinen Rasierer durch einen Rasierhobel ersetzt, der funktioniert mit guten alten Rasierklingen.

Bodylotion: Mache ich selbst. Genau wie die Gesichtscreme. Das ist kein Hexenwerk und das Rezept kein Geheimnis. Ich gebe dieses natürlich gerne weiter. Die Creme kostet einen Bruchteil der gekauften, ist vegan, und irgendwie auch bio. Oder so.

Gesichtscreme: siehe oben.

Deo: Nach einigen Versuchen mit Alternativen habe ich es gestrichen. Brauche ich nicht.

Stylingprodukte: Brauche ich nicht.

Zahnbürsten: Ich habe mir eine SWAK Zahnbürste gekauft und verwende Interdentalborsten. Macht richtig toll saubere Zähne und braucht keine Zahnpasta. Und durch die Ersatzköpfchen fällt so gut wie kein Müll an. Gut fürs Zahnfleisch ist es auch noch.

Zahnpasta: Brauche ich eigentlich nicht. Aber alte Gewohnheiten sind hartnäckig, hier steht auch noch meine Schallzahnbürste. So für ab und zu. Wie lange die bleiben kann ich noch nicht sagen.

Mundwasser: Kaufe ich nicht, arbeite aber an einem Mundwasser aus Salbei/Minz Sud und Xylit, wegen Geschmack und Karies und Gedöns.

Nagellack und dazugehöriger Entferner : Obwohl Logona grade den ersten biozertifizierten Nagellack auf den Markt brachte, werde ich wohl langfristig drauf verzichten. Ich weiß nicht, das ist so eine Gefühlssache, da habe ich ausnahmsweise mal keinen logischen Beweis für, warum ich das trotzdem nicht will.

Wimperntusche: Ich benutze keine, ich habe eine Wimpernzange aus Metall, diese wird sicher noch ein paar Jahre ihren Dienst tun. Und es sieht hübsch aus. ^^

Makeup: Verwende ich persönlich nicht, aber es gibt durchaus die Möglichkeit Pigmente in die Creme zu rühren.

Haarfarbe: Ganz neu bin ich auf Logona Haarfarbpulver umgestiegen und sehr angetan.

Damenhygieneartikel: Ich empfehle ganz schamlos, die MeLuna oder ihre Artgenossinnen. Diese gefühlt drei Millionen Tonnen Müll jeden Monat kann man sich einfach sparen. Außerdem ist es hygienisch, bequem und einfach. Und bunt (meine ist schwarz ^^) Muss man ja mal drüber sprechen.

Ich habe bestimmt noch das ein oder andere Vergessen. Weil es mein Alltag ist, über den ich ja eher selten reflektiere, dass andere es anders machen. Im nächsten Teil erzähle ich euch von unserer suffizienten Küche. Dranbleiben!

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5 Gedanken zu “Wie ich mein Leben entrümpelte. Teil 1

  1. Wenn du gestattest würde ich die Liste heute abend mal übernehmen und meine eigenen Sachen dazu schreiben. 🙂
    @Mundwasser: Die käuflich erhältlichen sind sogar eher schädlich und sollte man nur nehmen wenn man (wegen 2 gebrochener Arme oder so) gerade nicht Zähneputzen kann oder darf. Sie bringendie Mundflora aus dem gleichgewicht.
    @Zahnpasta: Das enthaltene Fluorid kann aber ganz gut sein, es härtet die Zähne. Wenn du aber nicht viel säurehaltiges konsumierst reicht es sicherlich, die Zähne nur ordentlich abzuschrubben. Denn ansonsten macht Zahnpasta nur lustig Schaum und Geschmack.
    @Trockner: Also ich mag schrubbelige Handtüchter. Peeling inklusive. Bretthart sind die dann aber eh nicht. 😀 Benutzt ihr Antikalk-Tabs? Ich mache das. Spart Waschmittel.

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    1. Dein Beitrag ist super!
      Ich möchte nur ein Mundwasser machen, weil mir der frische Geschmack der Zahnpasta doch manchmal fehlt. Olle Gewohnheiten. Miswak ist fluoridhaltig, daher ist das auch abgehakt 🙂

      Unser Waschmittel enthält Entkalker, allerdings tut es ab und an Essig auch. Daher sparen wir uns die Tabs.
      Nicht so bei der Spülmaschine, die kommt ohne nicht klar.

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  2. Daaanke für diesen Post 🙂 Ich freu mich auf die nächsten!
    Auch gefreut hab ich mich darüber, festzustellen, dass ich ganz viel davon auch schon mache. Aktuell stell ich grad auf Seife statt drölfzig furchtbaren Duschdingsis um, an Seife statt Shampoo wage ich mich danach. Da bin ich aber noch sehr unsicher, ob und wie gut das mit gefärbten Haaren zusammen geht… Und die Haarfarbe sollte ich dann auf Dauer auch mal ersetzen, viel mehr besorgniserregende Chemikalien hat auch das schlimmste Shampoo nicht… „Haarfarbpulver“ klingt nach Riesensauerei im Bad. Ist das so? 😉
    Eine etwas lustige Frage habe ich noch: Worauf/worin hast du die Seife zum Duschen? Offen in der Dusche rumliegen lassen will ich eigentlich nicht, dann schwappt das ganze Duschwasser vom Mann drüber 😀 In geschlossenen Behältern bleibt die Seife auf Dauer zu feucht. Irgendwie trivial, aber ich hab noch keine zufriedenstellende Lösung…

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    1. Danke für das Kompliment!
      Manche Seife zieht Farbe, schlimmer ist allerdings die Rinse. Zitrone soll wohl sehr stark farbziehend sein, aber nur bei chemisch gefärbten Haaren.
      Kann ich aber nicht berichten.
      Meine Seife liegt auf Haushaltsschwämmen (den platten) in einer offenen Seifenschale (Muschel, Holz, Porzellan) und steht außerhalb der Dusche, damit sie immer gut abtrocknet.
      Die Haarfarbe ist gar keine Sauerei, ich finde das Geschmiere mit der normalen Haarfarbe schlimmer und vor allem kriege ich die Flecken nicht mehr weg. Das ist mit der Logona nicht so. Das ist eher wie Brei und lässt sich einfach abwischen. Keine gefärbten Ohren mehr!

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