Wie ich mein Leben entrümpelte Teil 2 – Die suffiziente Küche

Im zweiten Teil dieser Serie soll es um die suffiziente Küche gehen. Und damit natürlich auch um Ernährung.
Zuerst jedoch einige Vorbemerkungen:
Was ist Suffizienz, also Genügsamkeit beim Essen? Nur Wasser und trocken Brot? Billig? Verzicht?
Für mich passt Kasteiung und Essen nicht zusammen. Essen ist Genuss und Wohltat, Essen ist Nahrung für Körper und Geist. Essen ist ein Bedürfnis. Mir ist es wichtig, dass Essen schmeckt. Nun habe ich leicht reden. Ich koche alles selbst, aber ohne den Leidensdruck, verarbeitetes Essen nur selten zu vertragen, hätte ich das sicher nicht so konsequent durchgehalten. Mir ist das aber auch so wichtig, dass ich, wenn das Essen dann doch mal nicht so ist, wie ich es erwartet habe, richtig enttäuscht bin.

Und noch etwas: Beim Googeln zu genau diesem Thema trifft man auf diverse Spinner. Unter anderem auch auf solche, die meinen, wenn die Wirtschaft schwächelt, muss man sich einen Bunker bauen, sich bewaffnen und vorher bereits Essen horten.
Ich gehöre nicht zu dieser Sorte Menschen. Aller Antrieb dieser Serie ist die lustvolle Neugier, Neues und Altes zu probieren, zu kombinieren und zu lernen. Ich will auch nicht zurück auf den Baum.
Natürlich ist die Postwachstumsgesellschaft ein durchaus reales Szenario.  Mich treibt aber nicht die Angst zu diesen ganzen Dingen. Und dort, wo die Zukunftsangst beginnt, würde ich dieses Projekt auch sofort einstellen. Habt den Mut, die Dinge die ich hier vorstelle, auszuprobieren. Aber habt ebenso den Mut, sie wieder sein zu lassen, wenn sie euch nicht passen. Selbstgeißelung ist kein Weg zur Suffizienz. Sondern die Neugier auf seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Wo sie her kommen, wie sie zu befriedigen sind und warum wir sie haben.
Hier nun also die Liste der suffizienten Küche:
Backpulver Stelle ich selbst her, aus Soda, Zitronensäure und Stärke. (Genau aus dem Soda und der Zitronensäure, die mir auch zum Putzen dient, dies nur mal als gedanklichen Link)
Das Rezept habe ich von Widerstandistzweckmäßig
Vanilliezucker Stelle ich auch selbst her, mit echter Vanille. Schmeckt viel besser!
Gemüsebrühe Entweder wir kochen wirklich Brühe, zum Beispiel Hühnerbrühe, da kocht man die Karkasse aus, mit Gemüse oder wir stellen eine Würzpaste her. Diese besteht aus Suppengrün, getrockneten Tomaten und Salz. Ein Wort zum Huhn noch: Kauft ganze Hühner, nicht nur Brust oder Flügel. Warum? Weil unsere ungewünschten Hühnerteile in afrikanischen Staaten zu einem Spottpreis verkauft werden und die lokale Wirtschaft schädigen. Sparen könnt ihr beim Kauf eines ganzen Huhns übrigens auch noch.
Brot, Kuchen, Kekse, Brötchen, Sauerteig Wir backen selbst. Wirklich alles. Das schmeckt sehr lecker und macht Spaß. Sauerteig fand ich zunächst etwas schwierig, aber mein Bruder ist Bäcker und hat mir viele Tricks gezeigt. Es gibt aber auch sehr viele und gute Blogs zu dem Thema. Ketex wäre so der absolute Leuchtturm.
Das Argument, der Backofen koste ja auch Strom, kann ich nur zum Teil ernst nehmen. Das teure ist der Aufheizprozess, schiebt man die Backwaren klug in einem Rutsch hintereinander, so ist der Preis deutlich niedriger.
Außerdem ist die Qualität oftmals besser, als bei dem Brot, was wir uns leisten könnten.
Mehr Lebensqualität zu einem günstigeren Preis, da bin ich schon wieder ein bisschen unabhängiger von Erwerbsarbeit.
Fertigessen Dressings, Fixes Mit Fixes meine ich nicht nur Fertiggerichte, sondern auch Saucenpulver, Fixtütchen, Puddings, Fruchtjoghurt. Dies alles wird man bei uns nicht finden. Pudding ist wirklich schnell und einfach selbst gekocht und es ist einfach lächerlich, für ein bisschen abgepackte Speisestärke mit Aroma 35ct und mehr zu zahlen, wenn das große Paket Stärke nur ein paar Cent teurer ist. Genauso eine Fixtüte. Ein ganzer Euro für ein paar Gewürze, viel Salz und Geschmacksverstärker. Unnötig. Das selber kochen ist weniger zeitaufwändig als man denkt. Auch die benötigten Fähigkeiten sind zu Anfang nicht viele. Man fängt langsam an und steigert sich. Es muss ja nicht jeden Tag das drei Gänge Menü sein. 😉
Ausmisten (Geschirr,Besteck, Töpfe, Pfannen, Gläser) Nur vier Sitzplätze, aber für zwanzig Leute Geschirr? Weg damit! Verschenkt es. Verkauft es. Sonntagsgeschirr ist so ziemlich das seltsamste Konstrukt, was ich kenne. Es steht im Schrank und keiner benutzt es. Für Gäste. Für gut. Ich bin mir selbst so viel wert, dass ich jeden Tag vom Sonntagsgeschirr essen mag. 😉
loser Tee Ist nicht viel teurer, man kann ihn mehrfach aufgießen, es spart ggfs Müll und er ist oftmals in einer besseren Qualität als der Beuteltee.
Kaffeemaschine Wir haben einen Handfilter und eine Stempelkanne. Außerdem einen Milchaufschäumer, so ein Bialetti Ding, was man auf den Herd stellt. Dazu kommt noch eine Kaffeemühle. Auf den ersten Blick sind das viele Geräte. Auf jeden Fall mehr als nur eine Kaffeemaschine. Das stimmt, aber die Qualität des Kaffees überzeugt uns einfach.
Hier wird deutlich, das Minimalismus nicht unbedingt suffizient ist.
Küchenmaschine statt tausend Teile Wer alles selbst macht, braucht auch das richtige Werkzeug. Wir haben eine Küchenmaschine, die uns Mixer, Knethaken, Zauberstab, Reibe und weiteres ersetzt und vollautomatisch für einen tollen Brotteig sorgt. Sie nimmt uns sehr viel Arbeit ab und steht auch nicht im Schrank. Sie steht immer bereit und wird jeden Tag benutzt.
Der Kühlschrank Unser Kühlschrank ist in Klimazonen geteilt, in die alles verräumt wird. Das Neue kommt nach hinten und ganz vorn (und gut sichtbar) stehen Dinge, die weg müssen. So nimmt man die zuerst und wirft weniger bis gar nichts weg. Allgemein kaufen wir nur soviel, dass wir es auch essen können. Lebensmittel gehören einfach nicht in den Müll.
Allzweckreiniger für Flächen, Boden Alle Reiniger wurden nach und nach durch die Lösung ersetzt, die wir auch im Bad einsetzen. Wasser, Spüli und Natron/oder Zitronensäure in einer alten Sprühflasche. Macht auch hier alles sauber, egal ob Boden oder Flächen. Unsere Holzarbeitplatte wird ab und an mit Speiseöl geölt. Genauso unsere Holzbrettchen, die wir als Schneidbretter haben.
Spülmaschine Wenn unsere Tabs leer sind, werden wir loses Pulver kaufen, weil es besser zu dosieren ist. Leider ist das Wasser hier so hart, dass wir auf Klarspüler nicht verzichten können. Zumindest behauptet unsere Spülmaschine dies regelmäßig.
Schwämme Die üblichen Spülschwämme sind einfach irgendwann durch. Hier suche ich noch eine waschbare Alternative, die schön bleibt. Bleiben die Putzschwämme nämlich nicht.
Spülbürste wird demnächst durch eine aus Holz ersetzt, bei der man die Köpfe wechseln kann.
Tücher Die Mikrofasertücher sind auch in der Küche präsent. Als Flächentuch, Bodentücher etc. Auch unsere Geschirrtücher sind solche.
Mikrowelle Wir haben keine. Und wir brauchen Sie auch nicht. Ich halte sie nicht für gefährlich oder solchen Blödsinn. Ich wüsste nur nicht, warum ich mir die Küche mit diesem Ding zustellen sollte.
Backpapier dient bei uns auch als Muffinförmchen, wird aber sparsam eingesetzt und gern, grad bei Keksen, auch mehrmals.
Dosen Wenn wir unterwegs sind, haben wir unser Essen in Brotdosen dabei. Die sind noch aus Plastik, ich sehe es einfach nicht ein, die Plastikdosen, die noch gut sind, wegzuwerfen, um etwas anderes anzuschaffen. Wenn die irgendwann nicht mehr gut sind, kommen Edelstahldosen, denke ich. Das kann aber durchaus noch zehn Jahre dauern.
Gläser zur Aufbewahrung Bei uns wird alles in Vorratsgläser umgepackt, so ist es geschützt (Licht,Feuchtigkeit, Gerüche) und lässt sich bequem entnehmen. Unter anderem benutzen wir dafür:
Weckgläser in denen wir auch einwecken, Kuchen und Brot backen. Kuchen ist so ungekühlt sechs Monate haltbar. Apfelmus und ähnliches sogar ein Jahr. Gut für die Vorratshaltung, spart Strom.
Möglichst verpackungsarm kaufen Das versuchen wir, ist aber gar nicht so leicht und leider teurer. Markt statt Supermarkt. Und egal wie viele tolle Argumente man jetzt hier vorbringt: Suffizienz und gute Ernährung dürfen nicht nur etwas für die wohlgenährte Mittelschicht sein.
Wenig, dafür gutes Fleisch, Milch, Käse, Eier Auch das ist nur im persönlichen Rahmen denkbar. Für mich sind Eier sehr wichtig, weil ich den Kuchen selber backe. Dann brauche ich eine gewisse Anzahl. Und dann ist es schon entscheidend, ob Freiland oder Markteier. Aber nicht verzagen: Auch das macht einen Unterschied!
Wenn ihr selber backt, erteilt ihr gleichzeitig den Eiern aus Massentierhaltung und Co die Absage. Denn auch in
Biokuchen muss nicht immer das BioEi verbacken sein. Guckt auch hier immer aufs Etikett, das muss angegeben sein.
Lokal Käse zu kaufen finde ich noch schwer. Milch, Quark, Joghurt und Co sind dank Hemme nicht so ein Problem, aber natürlich im Geldbeutel spürbar.
Um es nochmal zu sagen: Selbst Biokäse ist kein „guter“ Konsum, wenn ich ihn aus dem Alpenland ins norddeutsche Flachland karre!
Ein weiterer und vorerst letzter Tipp:
Sprossen!!!! Kresse, Radieschen, Linsen, Weizen oder Mungobohne, kleine Nährstoffbomben auf der Fensterbank. Sehr lecker, günstig und eine tolle Nährstoffquelle. Ich habe einen Sprossenturm, teils neu, teils gebraucht, der immer gut befüllt ist. Die Pflege ist denkbar einfach. Zweimal am Tag Wasser oben reinkippen und unten weggießen. Holt euch hier Tipps.
Hygiene ist hier allerdings Pflicht, niemand möchte einen zweiten EHEC Skandal.
Ich wünsche euch sehr viel Spaß beim Nachmachen und Ausprobieren. Meine Rezepte gebe ich gerne weiter, fragt einfach. Der dritte Teil dieser Serie wird sich mit Kleidung befassen, und allem was dran hängt.
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7 Gedanken zu “Wie ich mein Leben entrümpelte Teil 2 – Die suffiziente Küche

  1. Backpapier: Hast du mal über ein wiederverwendbares (Silikon) nachgedacht? Ich würde das gerne nehmen, aber ich glaube meine Mitbewohner spielen da nicht mit. ^^
    Für das meiste fehlt mir derzeit die Spülmaschine, denn mir geht’s ja auch viel ums Zeitsparen. Ich hab leider nix davon wenn ich selber backe und einmache, dann aber noch ne Stunde mit aufräumen und spülen beschäftigt bin. Gelegentlich mach ich das schon (Brownies, Kuchen, Kekse/Salsa, Pesto, etc) aber halt zur Entspannung. ^^

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    1. Kommt drauf an, wie viel du machst. Bei Kuchen, Brot etc für einen Monat lohnt sich die Stunde schon wieder.

      Backfolie geht leider auch schneller kaputt als man denkt, unsere hielt drei Monate- und man kann keine Förmchen draus basteln.
      Deshalb wieder sparsam Backpapier.

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    2. Ich hab noch solche Silikon-Backunterlagen. Eigentlich sehr praktisch, nur die Reinigung ist nahezu unmöglich ohne Sauerei oder sehr viel Geduld, finde ich. Deshalb nehm ich oft noch Papier. Aber für Muffins sind die Silikonförmchen spitze, die geb ich nie wieder her. Nix klebt und alles wird schön fluffig 🙂

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      1. Oh, stimmt, Silikonförmchen für Muffins hab ich auch. Ich mache nur sehr selten Muffins. Hatte lange zwar Förmchen (geschenkt bekommen) aber keine Form.
        Brot und Kuchen für einen Monat müsste ich ja irgendwoe unterbringen, da haperts schon. Wobei ich ja anfang des Monats Brot gekauft habe und das dann in Stücken weggefroren habe. Leider haben wir aber selten so viel Platz im Gefrierschrank.

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  2. Hach, gleich eine Menge ❤ ❤ ❤ ❤ für jedes Wort.

    "Selbstgeißelung ist kein Weg zur Suffizienz. Sondern die Neugier auf seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Wo sie her kommen, wie sie zu befriedigen sind und warum wir sie haben." – Das ist so, so wichtig und mir an der Bewegung das allersympathischte. Nicht mehr alles machen, was einem Fernseher, Plakate und Umfeld befehlen, sondern die eigenen, aus einem selbst entstandenen Bedürfnisse (die viel tiefer und oft ganz wonanders liegen) erfüllen und immer wieder hinterfragen. Das macht so glücklich – auch wenn die Veränderung dorthin sich manchmal alles andere als leicht gestaltet…

    Und was Sonntagsgeschirr angeht, das Konzept hab ich auch nie verstanden. Wozu Teller in den Schrank stellen, die man nie benutzt? Wenn sie so umwerfend schön sind, hängt sie halt an die Wand, aber sonst nerven sie doch echt nur.
    Und weil ich in Kommentaren zu deinen Posts nie ein Ende finde, noch ein Wort zu Weckgläsern: Ich liebe sie! Nehme sie mittlerweile auch um z. B. Essensreste im Kühlschrank zu lagern. Da sieht man auch gleich auf einen Blick, was noch da ist 🙂

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  3. Von wegen kein Ende und so, da fällt mir noch was ein.
    Wie hältst du es mit Messern und so? Habe festgestellt, dass wir eigentlich nur ein großes Chefmesser, ein Tomatenmesser, ein kleines Schälmesser und das legendäre Brotmesser (das müssen Ninjas hergestellt haben oder so^^) brauchen. Der Rest ist irgendwie Unfug und verstopft nur die Schubladen. Oder sind meine Kochkünste einfach nur zu simpel gestrickt? 😀

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