#traditionaltuesdayrant Mein Körper gehört mir

Mein Körper gehört mir. Dass ich das auch heute noch betonen muss, ist eigentlich bereits ein Skandal für sich. Dass ich mich verpflichtet fühle, dies auch hier nochmal deutlich zu machen ist bezeichnend für das, was einem als Frau* so zugetragen wird.

Als Frau steht man auch heute immer noch im Reproduktionsverdacht. Frauen bekommen Kinder und dann sind sie weg. Was einem auf der einen Seite von so manchem Arbeitgeber noch nachgetragen wird und jede Frau unter 50 mit gesunder Gebärmutter argwöhnisch beäugen lässt , führt im Privaten dazu, dass ab dem 20. Lebensjahr mit unbequemen Fragen rund um den zu erwartenden Nachwuchs zu rechnen ist.
Kinderlosen Frauen wird oft signalisiert, sie seien keine „echten Frauen“, das Muttersein wird hochstilisiert.
Leider wird aber auch Müttern nicht die Wertschätzung ihrer Arbeit entgegengebracht, die angemessen wäre.
Man kann es quasi nur falsch machen.
Aber egal, wie Frau sich entscheidet, diese Entscheidung ist zu akzeptieren!
Hier meine persönlichen Bullshitargumente, die ich nicht länger gewillt bin, zu ertragen:
Willst du denn, dass die Deutschen aussterben? Das ist mir auf gut Deutsch scheißegal. Dann stellen wir halt mehr Pässe aus. Wenn die deutsche Nation nicht mehr da ist, wird da etwas anderes sein. Mal abgesehen, dass man mit einer solchen Argumentation ein widerliches Bild deutscher Überlegenheit mit sich trägt, dass ich nur kotzen mag.
Altersvorsorge 
SOLI:DARI:TÄT my ass! Was für eine dämliche Argumentation. Wenn ich in die Rentenkasse einzahle, habe ich ja wohl ein Recht etwas raus zu bekommen. Es ist auch nicht so, als würde man da etwas ansparen. Ich arbeite und zahle Steuern, finanziere also Eltern durch Steuern die Infrastruktur, mit die deren Kindern nutzen. Diese Aufrechnerei geht mir auf den Keks.
Im Alter ganz allein
Ja, kinderlose Frauen sind per se wunderlich, asozial und einsam, weshalb sie im Alter ganz alleine sind. Und Kinder würden niemals wagen, ihre alten Eltern in ein Pflegeheim abzuschieben und sie nicht mal zu besuchen.
Geht doch bitte weiter, so viel Naivität und biologistische Verklärung ist mir zuviel.
Diese Liste ist nur kurz. Neben diesen schönen Schmankerln wird man auch gern mal gefragt, ob man keine Kinder bekommen kann, ob es in der Beziehung nicht läuft. Und so weiter. Man muss sich das mal vorstellen, jemand wagt es, die Qualität meiner Beziehung zu bewerten, allein auf Grund meiner Kinderlosigkeit.
In anderen Teilen der Welt befürworten wir „Familienplanung“, Zwangsterilisierung in Indien. Bevölkerungswachstum eindämmen, hier verwehren wir unverheirateten Paaren die Solidarität zur künstlichen Befruchtung.
Zweierlei Maß. Sind Deutsche mehr wert als Inder? Und hetereosexuelle mehr als homosexuelle Paare?
Das sind Fragen, die man sich leider gefallen lassen muss, wenn man argumentiert, ich als deutsche Frau hätte gradezu die Pflicht, mich fortzupflanzen.
Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in dem die Entscheidung einer Frau für und auch gegen Kinder akzeptiert wird.
Und diese Entscheidung solidarisch getragen wird. Solidarität heißt auch, nicht nur bei Sonnenschein füreinander einzustehen, sondern immer.
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