Ich hab´s doch auch geschafft – Märchenstunde im feministischen Kapitalismuswald

Die Frauenquote ist da. Ich finde ja, sie reicht nicht. Es ist ein Quötchen. Aber hey, vielleicht ein Anfang. Ich halte es auch mit denen die sagen: Das muss jetzt mal ne Generation Frauen aushalten, den Quotenstempel, bevor es besser wird.

Aber wisst ihr, was mich ankotzt?

Diese unsolidarische, neoliberale Scheiße, die mir so manches Mal auf Twitter in die Timeline schwappt. (Ihr merkt schon, kaum ist die Vrouwelin wieder da, wird es auch mal wieder Zeit für hübsch deftige Worte. Keine 100 davon und sie hat schon Scheiße gesagt. Passend zum gestrigen Frauen*kampftag ist mal Zeit dafür. )

„Begabte Frauen brauchen keine Quote“

„Wir wollen keine Quotentussis sein“

„Das erste Opfer der Frauenquote..“

Sagt mal, gehts noch?!

Glaubt ihr wirklich dieses neoliberale Märchen, dass es jede/r schaffen kann? Wir können alle die obersten zehntausend werden, wenn wir nur hart genug arbeiten? Die richtigen Studienfächer gewählt haben? Bildungsparadox, meine Güte!

Mal abgesehen davon, dass all diese Träume auf der Illusion unendlichen Wachstums beruhen, ist es das was „wir“ wollen?

Nachdem sich die Männer nun an der hegemonialen Männlichkeit abgeackert haben, dürfen wir? 60h arbeiten, die Familie und Freunde nicht sehen, immer dem Möhren namens Dividende hinterher? Abwerten wer das Spiel nicht spielt? Oder die Chance, dieses Spiel mitzumachen gar nicht erst bekommt?

DAS ist nämlich der Punkt. Nicht, dass harte Arbeit der Garant für Erfolg wäre. Sie ist es nicht. Die Spielregeln kennen und die richtigen Voraussetzungen mitbringen. Und nein, der glorreiche Einzelfall der den wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg schafft zerschießt uns NICHT die Statistik. Schön wäre es. Eine Frau aus der Unterschicht nach oben und das Ding wäre gegessen? Mitnichten. Da wird seelenruhig ein uraltes Ideal der protestantischen (Arbeits-) Ethik zementiert, Erwerbsarbeit als zentrales Moment im Leben gefestigt und alle gucken zu. Und machen mit. Warum ist Hartz IV so schlimm? Nicht weil es so wenig Geld ist, das wäre ja noch zu meistern. Nein. Weil es gesellschaftliche Ächtung mit sich bringt. Weil es hilflos macht. Weil weder du, noch deine Kinder wahrscheinlich (und ich meine statistische Wahrscheinlichkeit!!!) je wieder da raus kommen. Weil du ein niemand bist. Du hast keine Arbeit. Du bist kein „wertvolles Mitglied der Gesellschaft“. Warum ist Familienarbeit so wenig angesehen? Sie bringt keinen messbaren ökonomischen Output. Und sie wird von Frauen gemacht.

Was mich zu einem weiteren hübschen Beispiel bringt. Personalarbeit, ne? Wird ja häufig weiblich besetzt. Da ist in den letzten Jahren eine große Professionalisierung passiert. Hard Facts und so. Wenn Frauen in großen Konzernen ganz oben vertreten sind, dann häufig da. Was passiert jetzt? Die Personalarbeit ist jetzt weiblich konnontiert. Jetzt fangen Konzerne an, die Personalvorstände abzuschaffen. Macht der CEO. Was ne Frau kann, kann der (männliche) CEO ja nebenbei. Oder?

Abwertung einer Tätigkeit durch wahrgenommene Weiblichkeit. Die gilt als Karrierekiller.

So, und vor diesem Hintergrund (vom Pay Gap fang ich jetzt gar nicht erst an) brauchen wir keine Quote? In einer Gesellschaft, die Weiblichkeit als Schwäche auslegt, die uns als Gleichberechtigung ein Leben im kapitalistischen Hamsterrad anbietet? Ehrlich? Sorry, wer meint, sich bei der (männlichen* ) Wirtschaftselite durch solche Äußerungen wie anfangs anbiedern zu müssen und glaubt, das wärs. Der oder die ist sowas von gestern. Ich bin wütend. Weil mich ein System versucht gegen die auszuspielen, mit denen ich solidarisch sein sollte. Weil ich, wenn ich was ändern möchte, erstmal das Spiel mitspielen muss.

Kein Rant ohne Schlussparole: (Die Trolle wollen Futter)

Jede Frau* die eine Abwertung ihrer Tätigkeit akzeptiert oder diese fördert, tut das mit den Tätigkeiten aller Frauen.

Seid solidarisch! Steht für einander ein und helft euch gegenseitig. Fördert neue Lebensentwürfe und akzeptiert keine Arbeitsbedingungen, die euch und alle anderen in Schwierigkeiten bringen. Eure individuellen Entscheidungen sind keine. Jammern hilft nicht, steht auf und kämpft.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s