Vrouwel und das Vleisch

Wie ihr vielleicht auf Twitter bereits zur Genüge mitbekommen habt, experimentiere ich seit einiger Zeit mit veganer Ernährung. Das geht jetzt seit drei Monaten, genug Zeit für ein ganz persönliches Fazit wie ich finde.

 

 

Gleich vorweg, ich habe es natürlich nicht aus dem Stand geschafft, 100% vegan zu essen und glaube ich auch nicht daran, dass in Zukunft zu schaffen. Ich würde mich wohl auch nicht als Veganerin bezeichnen, das Wort macht mir immer noch etwas Bauchschmerzen. Einerseits, weil für mich damit gedanklich äußerst anstrengende Diskussionen verbunden sind, zum anderen, weil ich der Mehrheit der Veganer*innen sicherlich nicht trve genug wäre.

Woran scheiterten 100% vegan denn nun? Da waren zum Beispiel in der ersten Zeit noch die Milchschlückchen im Bürokaffee, der Milchschaum bei meinen Eltern oder im Café. Die Hochzeitstorte meiner Schwester. Der Käse auf dem Grill/der Pfanne. Meinen Eltern ist vegetarisch schon nicht ganz geheuer, ich bringe mir also etwas mit und lasse alle Fünfe grade sein. Und dann waren da so Kleinigkeiten. Honig im Müsli. Dinge an die ich nicht mal dachte.

Abgesehen von diesen kleinen Hindernissen habe ich aber eine schier unendliche Fülle an neuen Rezepten entdeckt. Und trotzdem, dass ich mich weigere, groß (Fertig)Ersatzprodukte zu kaufen, wie veganen Käse, und mich eher auf Tofu und Sojamilch beschränke, habe ich jeden Tag die Auswahl an echt leckerem Zeug. Das Gefühl, etwas zu vermissen ist bisher nicht aufgekommen, kann aber auch daran liegen, dass ich zum Beispiel Käse auf Pizza hatte und so weiter. Die Sachen, von denen ich dachte, ich würde nicht ohne sie auskommen, vermisse ich gar nicht. Eier, Quark, Joghurt und Milch. Fleisch sowieso nicht. Ich habe vorher schon viel und hauptsächlich Gemüse, Obst und Nüsse gegessen, sodass sich an meiner Art zu Essen nicht viel geändert hat.

Warum überhaupt? Eigentlich fing alles mit den Zimtschnecken für den Besuch aus dem Internet an. Das Rezept sollte vegan sein und ließ sich so genial verarbeiten, dass es das Standardrezept wurde. Kurze Zeit später wohnte ich plötzlich allein. Und entweder ich hatte nichts im Kühlschrank oder ich musste ziemlich viel wegwerfen. Tierische Produkte sind schon ziemlich großzügig vorportioniert für meine Verhältnisse. Ich hörte also auf, Fleisch zu kaufen. Dann hörte ich auf Eier zu kaufen. So ging das weiter, bis ich quasi wider Willen und aus Versehen nichts mehr davon im Haus hatte. Ich hatte es nicht mal groß bemerkt. Dazu kam, dass es mir besser ging, was hauptsächlich an der „Struktur“ des Essens lag. Mehr dazu weiter unten.

Wer das Blog verfolgt oder meinen Twitteraccount, weiß, dass ich mir schon seit Jahren Gedanken um mein CO2 Budget mache und viele Dinge tue oder nicht tue, weil ich darauf achte. Vegane Ernährung gehörte dazu und ich wollte es einfach mal ausprobieren.

Und ja, ich erinnere mich natürlich daran, dass ich sage/sagte, ich könne mich aus gesundheitlichen Gründen nicht vegan ernähren. Das stimmt so auch immer noch. Kommen wir also mal zu den wirklichen Herausforderungen.

Vegan und der Magenbypass

Für die Menschen mit Magenbypass die hier eventuell mitlesen: Dies ist absolut keine Empfehlung für vegane Ernährung mit Bypass. Deine Adipositaschirurgie wird dir nachdrücklich davon abraten. Und das kann ich nachvollziehen. Das ist mein persönliches Experiment, ich weiß nicht, ob ich es weiter empfehlen kann und möchte.

  • Die vielen Carbs

Sind tatsächlich nicht ganz einfach. Insbesondere wenn man, wie ich, zu Dumpings neigt, fallen Dinge wie Kuchen und so weiter, aber auch weiße Nudeln raus. Auch reine Obsternährung oder ähnliches, da muss ich wahnsinnig aufpassen. Da kann der Blutzucker gleich mal übel in den Keller gehen. Natürlich kann man sich vegan lowCarb ernähren. Da bekomme ich aber ein Problem mit Gesamtkalorien/Volumen.

  • Eiweiß

(Jaja, ich hab all die Artikel dazu gelesen. Ihr habt da alle kein Problem mit, hab ich verstanden. Ihr habt aber vielleicht auch keinen Bypass.)

Tatsache ist, das will ich mir auch gar nicht schön reden, dass ich weiter abnehme. Wenn ich Protokoll führe, wird auch deutlich warum. Die Gesamtkalorien schaffe ich vielleicht grad so, aber ich komme leider nie auf meine nötigen Proteinmengen. Ich müsste wohl, um das mit den gegeben Umständen zu schaffen, Proteinpulver oder ähnliches ergänzen. Da habe ich allerdings so meine Bedenken.

  • Volumen

Meine Güte, man muss echt viel essen. Zumindest wenn man, wie ich, sehr auf Gemüse und so weiter setzt. Oder wirklich viele Nüsse essen. Mit Magenbypass ist vielleicht das Festhalten an drei Mahlzeiten dann nicht mehr so günstig, je nachdem, wie es mit dem Gewicht aussieht. Andererseits kann ich die meisten Fleischersatzprodukte wie Seitan, Tofu, oder texturiertes Soja für Bypässler*innen nur wärmstens empfehlen. Die kurze Faserlänge ist perfekt geeignet.

  •  B12 und Eisen

B12 ist dank Spritze sowieso abgesichert, da würde auch eine omnivore Ernährung absolut nichts dran ändern, ich brauche diese Spritze einmal im Quartal. Meine Eisenwerte haben sich erstaunlicherweise stabilisiert, was aber an anderen Dingen hängen kann. Anderen kann ich nur raten, diese regelmäßig checken zu lassen, Magenbypass und Anämien sind nicht lustig.

Meine Blutwerte sind momentan gut und drei Monate zu kurz um wirklich sagen zu können, ob ich einen Weg finde, dass es nicht schadet. Und es ist lecker, allein deshalb werde ich meinen Test auf weitere sechs Monate ausdehnen und dann nochmal berichten.

Um einfach aufzugeben, schmeckt es bisher einfach zu gut und die Vorteile überwiegen. Ich dachte übrigens vorher, dass ich keinen Tofu mag. Das war Blödsinn. Ich mochte nur den Tofu nicht, wie B. ihn immer gemacht hat. Sorry dafür!

 

Update: Mittlerweile ist etwas Zeit vergangen, ich habe gemerkt, dass Milch in allen Facetten bei mir Dumpings macht, auch und grad Lebensmittel mit Molkepulver, und meine Haut das nicht gut findet, pro für vegan. Die Eiweißproblematik habe ich mittlerweile im Griff und es geht mir wirklich gut damit. Ich bin etwas leichter als vorher (so ca. 5 kg) aber mein Gewicht scheint sich eingependelt zu haben und ich esse nun sehr viel öfter, ungefähr so oft wie ein durchschnittlicher Hobbits.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s