#Freitagsliebe, reden wir über Menschen

Samstag war in Hannover ein kleines Twittertreffen. Ich musste früher weg, aber bereits auf dem Heimweg fiel mir auf, wie gut mir die Gesellschaft dieser Menschen getan hatte und ich fragte mich : „Ob die das wissen?“

Wir reden viel zu oft über Dinge und Menschen die uns ärgern. Menschen mit denen wir nicht einer Meinung sind, Menschen, deren Handeln wir zumindest kritikwürdig finden. Wir hassen zu viel, sehen uns zu viel Hass an und loben und lieben zu wenig.

Kübra Gümüşay hat auf der republica einen Vortrag  gehalten, bei dem ich sofort bereute, nicht in Berlin zu sein. Die Gedanken die sie dort äußerte waren so klug und konzentriert, warum ich nicht sofort darüber geschrieben habe, weiß ich nicht. Vielleicht mussten die Worte, wie so oft, erst arbeiten, sich setzen. Der Hashtag #organisierteliebe ist gefühlt jeden Tag in meiner Timeline und ich freue mich jedes Mal. Kübra fordert „Wir müssen Kommentarspalten fluten und: Danke sagen!“- endlich mal ein guter Aufruf im Netz. 

Ab und an passiert es mal, dass mir jemand erzählt, fast schon gesteht, dass ich sie oder ihn inspiriere. Oder irgendwas geben konnte. Mir ist aufgefallen, wie selten ich eigentlich, gemessen daran wie oft ich meckere, davon erzähle wer mich inspiriert. Ich habe nichtmal einen Hashtag dafür, im Gegensatz zu meinen Rants. Die haben einen Hashtag. Das Lob nicht.

Diese Menschen die dort waren, sind nicht meine engsten Freund*innen. Sie verbringen die Tage nicht im Büro mit mir oder stehen unangemeldet vor meiner Tür um die Kekse wegzufressen. Wie sollten sie darauf kommen, was sie tun?  Ich müsste es ihnen vielleicht mal sagen. Ich fange heute damit an, vielleicht nicht jeden Freitag, aber Freitags. #Freitagsliebe halt. Wie ein #ff, nur doller.

@drehumdiebolzen

Am 29. Januar 2015 bekam ich ein großes Paket. Drehumdiebolzen hatte mir ihre Nähmaschine geschenkt. Einfach so. Ich hätte mir keine gekauft, ich hatte das Geld nicht und bis auf einfache Stoffbeutel oder Kissenbezüge auch noch nichts zu Stande gebracht, was man hätte Nähen nennen können. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt ein bisschen über ein halbes Jahr auf Twitter. Und eine Stunde persönlich.

Immer wenn ich diese Geschichte außerhalb meiner Internet -Filterblase erzähle, glaubt sie mir niemand. Eine fremde Frau schenkt mir einfach so ihre Nähmaschine. Ich glaube, die Geschichte ist einfach zu nett. Vielleicht haben wir uns an die schlimmen Geschichten bereits so sehr gewöhnt, dass wir entweder die schönen nicht hören wollen oder gleich den Haken suchen.

Einen kleinen Haken gab es hier auch. Ich wurde Nähnerd, also ich werde. Immer noch. Am 6.Juni 2015 twittere ich meinen ersten, selbstgenähten Rock. Einen Hollyburn. Er war schwarz und er passte (natürlich) perfekt. Ich trage den heute noch. Mein allererster Rock und es war gleich was, was man draußen anziehen konnte. Ich war und bin immer noch absolut perplex diesbezüglich.

Bis zum Rock war es natürlich ein Weg, ich brauchte ein Schnittmuster und Stoff und so richtig getraut hab ich mich auch nicht. Bei allen Fragen, Unsicherheiten und ähnlichem stand die Nähnerdcommunity und allen voran Drehumdiebolzen beratend zur Seite. Ich hab mich letztlich getraut. Und es ist nicht der einzige Rock geblieben.

Ich hab mich getraut, weil Drehumdiebolzen mich inspiriert, weil sie für mich in Sachen Kleidung und Selbstermächtigung ein role model ist. Weil sie sich die Kleidung schafft, die sie will. Weil ich so viel gelernt habe und so tolle Gespräche geführt habe, als wir 2015 zusammen auf der republica waren.

An all das musste ich denken, als wir Samstag kurz im Stoffladen waren. Sie kaufte Stoffe für ein Sommerkleid, so selbstverständlich und mit so einer klaren Vorstellung was sie will und was sie nicht will. Die meisten Menschen wüssten wohl nicht mal, was sie für Schnitte wollten, wenn die Läden sie ihnen nicht vorgäben. Drehumdiebolzen weiß das. Und sie hat gar nicht viel gesagt, aber sie hat dafür gesorgt, dass ich mich demnächst an das Nähen von Oberteilen ran trauen werde. Danke dafür.

 

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3 Gedanken zu “#Freitagsliebe, reden wir über Menschen

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