Erschütterungen

Das Leben verpasst dir einen Schlag. Einen richtig heftigen. Du stehst auf, klopfst den Staub ab und gehst weiter. Nach einer Zeit ist alles wieder gut, wir arbeiten, wir lieben, wir leben, als wäre nie was gewesen. Sind mutig und stark und denken kaum an den Schlag.

Und dann stupst dich jemand an. Und du fällst.

Ich weiß nicht wie es euch geht. Wenn ich an meinen Rant damals zu Drachen denke und das was ich von euch manchmal mitbekomme, dann geht es euch wie mir. Ihr reitet wieder in die Schlacht, wenn ihr es grade mal so aufs Pony schafft. Das ist natürlich nicht nur schlecht. Wir sind mutig, wir riskieren was. Wir lassen uns nicht aufhalten. Das ist gut, so geht kämpfen.

Oder aber, ihr wacht morgens auf und merkt, es ist eben doch nicht alles ok. Vielleicht an der Oberfläche oder an den Stellen, die offensichtlich waren. Vielleicht ist aber auch an einer Stelle etwas kaputt gegangen, die ihr gar nicht bemerkt habt. Bis sie jemand anspielt. Wenn ihr so unvorsichtig seid wie das Vrouwel manchmal, versucht ihr es einfach nur härter. Versucht es euch zu beweisen, dass ihr es könnt, dass ihr etwas könnt.

Ganz oft, viel zu oft, versuchen wir, nachdem wir Versagen empfunden haben, es einfach nur doller zu versuchen. Das nächste Projekt, die nächste Schlacht, die nächsten retten. Ebenso oft ist die Erfahrung die man dabei macht, wenn man entkräftet, erschöpft, erschüttert Dinge stemmt, das nächste Versagen. Und diese Erschütterungen sind ein bisschen wie tätowiert werden. Einmal mit der Nadel über die Haut merkt man meist nicht mal. Doch je länger man immer und immer wieder über die selbe Stelle malt, desto empfindlicher wird alles, auch drumherum. Und plötzlich ist alles nur noch eine Fläche von Empfindsamkeit, die nicht unterscheiden kann zwischen liebevoller Berührung und Angriffen.

Keine von uns wird wohl auf die Idee kommen, auf einem Sonnenbrand mit dem Bimsstein rumzuschrubben. Aber für sich selbst eine Weile Rücksicht einzufordern, Milde und Vorsicht, scheint so unglaublich schwer und undurchführbar. Man muss ja funktionieren, weitermachen. Kann man ja nicht verlangen, können die anderen ja nichts für. 

Es ist absolut keine Schande, Zeit zu brauchen.

Wenn ihr klug seid, passt ihr auf euch auf und nehmt euch die Zeit, die es braucht um zu heilen, bevor ihr erneut fallt. Es gibt so viele Drachen zu bekämpfen, so viele Schlachten zu schlagen. Drachen und Schlachten können ganz oft warten. Wenn ihr wieder fit seid, werden sie immer noch da sein. Und dann könnt ihr kämpfen.

Seid klug, wir brauchen euch. Jede von euch.

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Ein Gedanke zu “Erschütterungen

  1. Watzlawick redet ja vom „mehr desselben“ Problem. Das, wenn wir einmal eine optimale Lösung für ein Problem gefunden haben, wir nicht mehr von dieser abrücken können, wenn sich die Umstände ändern und damit wird die Problemlösungsstrategie zum eigentlichen Problem.

    Ich kämpfe auch viel zu oft einen Kampf zuviel. Gerade in letzter Zeit, dabei sind die wichtigen Schlachten sehr überschaubar. Und meine Lösung dafür, dass der Panzer kaputt gehen kann ist, den so dick zu machen, dass nichts mehr durchkommt und man ihn nicht ablegen kann.

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