Fresse halten, machen, oder?

Der @advitwit hat gebloggt  und ich möchte dazu etwas sagen.

Für jene, die diesen Artikel noch nicht kennen, was sie ändern sollten, nochmal eine (sehr) kurze Zusammenfassung: Statt die üblichen Milestones der in der Soziologie und gewissen linken Kreisen der Gesellschaftsänderung abzuklappern, möge man sich hinstellen und tun. Fakten schaffen. Mit denen dann umgegangen werden kann. Und über die man dann sprechen könne.

Soweit so flauschig. Ein Kommentar darunter merkt schon an, wie man mit vorhandenen Gesetzen umgehen kann und nennt auch das Marihuana Beispiel. Ich stimme adviwit zu, dass für eine Legalisierung von zB Marihuana, eine Konsumrealität von Nöten ist. Rein argumentativ macht das schon was her, wenn man nicht sagt, ach, da könnten wir dann mal, sondern hey, wir tun das eh alle, die Wissenschaft gibt uns so mehr oder weniger Recht, Alkohol ist auch legal, spart euch doch mal die Arbeit. Und so.

Unabhängig von der rechtlichen Diskussion, die ja noch auf ganz anderen Feldern geführt wird und geführt werden muss, meine ich, dass er in seinem Artikel etwas wichtiges voraussetzt, an dem ich persönlich einen Mangel in dieser Gesellschaft sehe. Ja, das war ein verwirrender Satz, ich erkläre mich und mache es an einem ganz persönlichen Beispiel:

Ich lebe in einer offenen (poly)Beziehung. Selbst in meiner Filterblase ist das noch eher ungewöhnlich. Außerhalb meiner Filterblase ist das sogar mehr oder weniger ein Problem. Und in einem Land, in dem selbst homosexuelle Paare nur eine Ehe-Light bekommen ist es natürlich undenkbar, sowas wie eine Familienversicherung für mehr als eine/n Partner/in zu bekommen. Aber diese ganzen offiziellen Dinge mal weg. Ich will auf den Unterschied hinaus, zwischen denen, die interessiert fragen und denen, die mir/uns ablehnend oder gar feindselig gegenüber stehen.

Die, die fragen, sind offen. Halten gegensätzliche Meinungen und Lebensentwürfe aus und sind, in den meisten Fällen, solidarisch. Solidarisch mit Menschen, deren Lebensentwurf ihnen völlig fremd ist, den sie vielleicht sogar als beängstigend empfinden. Das ist mal eine emotionale Leistung, die man erstmal bringen muss. Genug Empathie aufzubringen um solidarisch mit etwas zu sein, was einem selbst zwar nicht schadet (und wohl auch keinem anderen) aber das eigene kuschelige Weltbild schon etwas in Irritation versetzt.

Kurzer Exkurs. Wenn Weltbilder zersplittern, zerspringen, sich in Luft auflösen oder sonstige Auflösungstendenzen zeigen, dann litt dieses Weltbild entweder unter argen Ermüdungserscheinungen (das passiert sogar Beton mit der Zeit) oder es war von Anfang an arg zerbrechlich und damit untauglich für einen Kontakt mit der Realität. Das ist nicht die Schuld der Person oder Gruppe, die das Weltbild kaputt gemacht hat, man spielt schließlich auch nicht mit Glühbirnen Rugby und wundert sich dann, dass jemand einen Splitter in der Hand hat. Also, kann man schon, man darf sich dann aber bitte nicht wundern, wenn die Reaktionen von amüsierten Gesichtern bis Facepalm reichen. Exkurs Ende.

Zurück zum Thema. Solidarität und Empathie.

Ich glaube, dass diese beiden Fähigkeiten denen fehlen, die mir/uns ablehnend gegenüberstehen. Ich glaube nicht, dass eine rein kognitive Leistung von Nöten ist um Verständnis und Respekt aufzubringen, weshalb ich dieses ganze elitäre Blabla schon mal für Schnickschnack halte. Jede/r von uns kennt diese eine Person, die super clever ist und rein intellektuell in der Lage wäre, sich in jede beliebige Lage zu versetzen. Und die trotzdem ein ignorantes Arschloch ist. Und ich kann Angst haben und trotzdem Verständnis aufbringen. Ich kann jemanden nicht ansatzweise verstehen und ihn oder sie trotzdem respektieren. Aber dafür brauche ich ein Mindestmaß an Empathie.

Und ich glaube die fehlt. Die und eine im Kern solidarische Haltung. Die haben wir ja nicht mal im Feminismus. Da schon mal gar nicht.

Und deshalb, lieber adviwit, stimme ich dir zu. Aber.

Ohne Solidarität und Empathie sind die, die Fakten schaffen, nicht sicher. Setzen sich Gefahren aus, die vielleicht nicht im Verhältnis stehen. Gefährden ihre wirtschaftliche Existenz und die ihrer Angehörigen.

Ich möchte deinen Titel ergänzen. Nicht um ein oder. Sondern um ein UND.

Einfach mal die Fresse halten, solidarisch sein und  machen.

 

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4 Gedanken zu “Fresse halten, machen, oder?

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