Mein Magenbypass und wie ich ihn bekam

Ich wollte diesen Beitrag schon sehr lange schreiben, nicht zuletzt, weil eine bekannte Zeichnerin kleiner Strichmännchen, die sich selbst schmal gehungert hatte, adipositaschirugische Maßnahmen quasi verteufelte und ich das ziemlich scheiße fand.

Aber auch Menschen, denen eine solche Maßnahme empfohlen wird und nun grübeln sprechen mich immer wieder an. Ich hab mich umgeguckt und sie haben Recht. Wer redet darüber? Die, bei denen es schief ging, die Probleme haben oder die, die endlich ihr klischeegeprägtes Barbiedasein ausleben können. Endlich schlank, endlich akzeptiert. Ja, das klingt böse bei mir, ausnahmsweise meine ich das auch mal so. Es erschreckt mich.

Als ich zum ersten Mal von der Möglichkeit las, einen Bypass zu bekommen, schreckte mich das ab. So ein großer Eingriff. Es gibt eine realistische Möglichkeit dabei auf den Tisch liegen zu bleiben. Nur um schlank zu sein? Never.

Ich war eine gute Fette. Ich war fröhlich, sportlich und auch sonst sehr artig. Ich aß selten bis nie in der Öffentlichkeit. Wenn, aß ich Salat. Ich war immer auf Diät und machte sehr viel Sport. Ich versuchte mich besonders gut anzuziehen. Und, ungelogen, ich war zufrieden und glücklich. Dünn zu sein war für mich so abwegig, dass es mich nicht grämte, es nicht zu sein. Mein Körper war nicht glücklich. Ich habe Rheuma, Diabetes in der Familie und war selbst insulinresistent. Mein Grundumsatz war unglaublich niedrig. Ich bekam Unmengen Kortison und MTX, um mein Rheuma einzudämmen. Es machte mich fetter. Irgendwann wog ich 120 Kilo. Ich hätte bald neue Knie gebraucht. Und weitere OPs.

Meine Mutter hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen Bypass und kam gut damit zurecht. Ich stellte den Antrag. Als letzte Chance, nicht weiter kaputt zu gehen. Oder langsamer. Das klingt dramatisch und so war es auch. Krankenkassen bezahlen nur dramatische Fälle, die alles versucht haben. Deshalb ärgert mich dieses unfassbar dumme Gelaber mancher Leute so. Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Es ist kein Spaziergang. Wir haben alles versucht. Deshalb liegen wir unterm Messer. Ich wollte nicht dünn sein, ich wollte gesund sein.

Unzählige Gutachten, Demütigungen und einem wirklich beschissenem Gespräch beim MDK später wurde mein Antrag genehmigt. Ich wurde operiert. Im Dezember 2011 bekam ich meinen Roux-en-Y-Magenbypass.

Ich kürze die Sache mal ab. Ich wiege heute 63kg bei 167. Ich bin nicht mehr insulinresistent. Ich habe natürlich immer noch Rheuma. Ich habe immer noch meine eignen Kniegelenke. Ich habe die Chance bekommen gesünder zu sein. Ich lebe nun aber auch in einem Körper der belästigt wird. Weil ich wohl nun in eine andere Kategorie falle. Ich weiß es nicht. Man behandelt mich anders.

Ich schreibe diesen Beitrag irgendwie weniger für mich, als für euch. Deshalb bitte ich euch, mir Fragen zu stellen. Zeitlich unbegrenzt. Mein DM Fach ist offen, schreibt Emails, kommentiert. Die Antworten werde ich in eine immer wieder aktualisierte FAQ packen. Traut euch, ich beantworte auch die seltsamste Frage. Ich habe noch keinen Hashtag dafür, vielleicht fällt euch einer ein.

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