Die Generation ***- Verdorben.Needy.Dumm.

Wenn man Menschen, meist weit über 30 so zuhört, könnte man meinen, es ginge den Bach runter. Mit allem. Ich gebe zu, ich habe auch manchmal meine Zweifel, wenn ich Teenies in der Bahn reden höre, ob das mit meiner Rente noch so klappt. Aber ich weiß auch, dass das mit der Rente in meinem Fall alte, weiße Säcke verbockt haben oder weiter verbocken werden.

Damit wir es abgehandelt haben:

Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes,
wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt.
Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“
(Aristoteles)

(Sokrates und Platon waren auch nicht viel einfallsreicher)

Weiter im Rant

Ich lese immer wieder (und höre immer wieder), dass diese Generation so schlimm sei, nichts könne, sich für die Tollsten halten würde und überhaupt. Das ist witzig, weil eine Generation, das ist eine Gruppe von Menschen, die eine spezielle gemeinsame kulturelle Prägung aufweisen. Gestaffelt nach Alter, klar. So, was ist das nun? Kriegsgeneration. Nachkriegsgeneration. digital natives vielleicht noch. In diesen Fällen akzeptiere ich einen Generationenbegriff. Mir wachsen regelmäßig Hörnchen, wenn ich lese, Generation Y hier, X da… Schuster, bleib bei deinen Leisten, Unternehmensberater mögen damit viel Geld verdienen, aber bitte lasst das. Das ist lächerlich.

[Interessierte können sich bei Rolf Schulmeister und Marcel Schütz eine fundierte Kritik am Generationenbegriff anlesen.]

Welche gemeinsame kulturelle Prägung sollen sich denn Julia, geboren 1980 und Leon, geboren 2000, teilen? Und da gehen wir schon mal davon aus, dass beide in ähnlichen gesellschaftlichen Verhältnissen aufgewachsen sind. Als Julia in die Schule ging, da gab es weder Google, noch Hartz IV und Leon kennt nur Merkel als Bundeskanzlerin. Das sind Welten! Und die Azubis/Praktikant*innen/Trainees dieser Generation sind so schlimm? Julia ist heute 37, wahrscheinlich mittlerweile lange leitend tätig und beschwert sich über ihre eigene Generation. Sollte man sich selbst belasten? Die Nachfolgegeneration ist heute im ältesten Fall 15 oder 17. Die gehen mehrheitlich noch zur Schule. (Bei einer Abi-Quote von 50% tatsächlich mehrheitlich)

Lassen wir das Alter hinter uns, bleiben immer noch die völlig unterschiedlichen Lebensrealitäten der Milieus. Kevin und Moritz teilen sich höchstens, wirklich allerhöchstens das Viertel und den Schulweg. Meist nicht mal das. Charlotte und Celine werden völlig andere Erfahrungen machen, was es heißt, als Frau gelesen zu werden.

Aufgefallen? Alles deutsch gelesene Namen. Auch wenn migrantisch gelesene Personen viel stärker dem Risiko ausgesetzt sind, arm zu sein, macht selbst das eine andere Welt aus. Mit anderen Diskriminierungen. Fast unabhängig vom Geldbeutel. Zeynep gehört auch zur Generation Y. Aber ihre Lebenswelt wird nicht die von Kevin, Moritz, Julia oder Charlotte gewesen sein. Welchen Vorurteilen wird sie ausgesetzt sein? Wird man ihr Alter verantwortlich machen? Oder ihren migrantisch gelesenen Namen?

So langsam sollte klar sein, man kann sich über viel beschweren und auslassen. Aber Geburtenjahrgänge zu vergleichen ist in der Praxis Schamanismus. Da hätten Sternzeichen ne höhere Trefferquote. (Schlicht weil es mehr gibt als eins. Statistik und Barnum-Effekt)

Über was beschweren sich die Leute also eigentlich?

Wie wir drei Hübschen schon in unserer letzten Folge so trefflich zerpflückten: Es ist nicht ihre Schuld. Also nicht die der Jugend. Es gibt genau zwei Hebel, die es verbocken können.

Die Gesellschaft(tm) – also zB Schule, Kindergarten, Medien diesdas. Und: Die Generation davor. Sie jammern, dass sie es verbockt haben. Selbst. Herzlichen Glückwunsch. Natürlich fehlt dieses Maß an Selbstreflexion dann häufig und so bekommen junge Menschen immer wieder erzählt, sie wären nicht ok. Wo man doch eigentlich ihre Eltern meint. Oder die Welt. Die, die sich mit einem (!) Arbeitergehalt ein Haus bauen oder kaufen konnten, eine vortreffliche Rente bekommen und sich im Falle der Arbeitslosigkeit noch auf 68% (1993) freuen konnten. Maximal 36 Monate. Nicht 18 Monate. Die beschweren sich heute, dass wir, die über unbefristete Jobs froh sein können, mit 35 noch kein Haus haben. Witzig. Und kurzsichtig. Das Alter scheint doch nicht per se Weisheit bereit zu halten, jedoch eine Menge Wille zum Starrsinn.

Und eins möchte ich noch anmerken:

Wie hätte die Jugend anders werden können?

Seit der Grundschule machen wir unseren Kindern klar, dass nur Leistung sie zu etwas wertem macht. Übergang in die weiterführende Schule, Noten, immer mehr, immer höher. Der Druck, dazu kann Thomas natürlich viel mehr erzählen, steigt. Und zwar nicht unbedingt seitens der Schule. Das sind vielmehr die Eltern, welche wiederum auch nur einen Weg suchen, dem Druck der Employability Rechnung zu tragen. Diese Sicherheit, in der viele von uns/euch aufgewachsen sind, diese Unbeschwertheit, die gibt es nicht mehr. Natürlich gibt es immer ein paar Eimer unter den Jungen. Das sieht aber in den anderen Altersstufen sicherlich nicht besser aus. Intelligenz ist normalverteilt, lebt damit.

Wenn wir als Gesellschaft und als Eltern, Tanten, Onkel, Freunde unseren Job machen, Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass sie ok sind, dann hecheln sie vielleicht auch nicht im ersten Job, Praktikum und Studium jedem Brocken Lob hinterher wie eine verhungernde Ratte einem Kanten Brot.

Solange, lasst euern Jugendpessimismus stecken. Er lässt euch alt aussehen.

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