Systemisches Kerfuffle

Letzte Woche Weiterbildung war… naja. Ich hätte manchmal gern ne Klangschale zweckentfremdet. Aber heute, weit weg davon, sehen meine Gedanken schon wieder anders aus.

Ich werde gleich relativ konkret bezüglich meiner Arbeit in der Beratung. Wer sich besser nicht ausmalen möchte, worum es Klient*innen von mir so geht, der möge diesen Post einfach auslassen. 

Ich hatte es, ist noch nicht so lange her, ich erzählte „Klient*innen Diesdas“, da kam die Frage, warum Menschen mir eigentlich von ihrem Sexleben erzählen würden. Der Tonfall, den ihr natürlich grad nicht hören könnt, ging in Richtung: „Haben die zu viel Geld?“ oder auch „Warum suchen die sich keine Therapie?“

Es ist gar keine so dumme Frage, warum die Leute mit mir reden wollen. Warum? Da wäre zunächst mal die Scham. Vielleicht haben einige Menschen Freunde, mit denen sie ihre beschämensten Phantasien teilen können. Mit denen sie darüber sprechen können, wie lang zurückliegender Missbrauch ihre Beziehungen beeinflusst. Oder wie sie nach einer Vergewaltigung wieder in ihr selbstbestimmtes Sexleben zurückfinden können.

Viele haben diese Menschen nicht. Oder noch nicht. Und nicht nur, dass wir viel zu wenig Therapieplätze haben, die schwer zu bekommen sind und manche Verfahren auch gar nicht bezahlt werden… häufig ist das, was einen belastet, gar kein Therapiegrund. Sondern schlicht Befindlichkeitsstörung. Die hören sich harmlos an, können einem aber durchaus mal das ganze Leben verhageln. Wie das Beispiel oben. Mit der Vergewaltigung. Eine Traumatherapie kann da durchaus schon vorgeschaltet gewesen sein. Aber wer begleitet einen danach? Solche Leute wie ich. Sehr oft bin ich auch die Anlaufstelle vor der Therapie. Die hilft, die Leute soweit stabil zu halten, dass sie dieses Monster von Platzsuche angehen und bewältigen können. Manchmal bin ich auch da, während eine Therapie läuft. Ergänzend. Nicht alles was von der Norm abweicht ist krankhaft und therapiebedürftig.

Dann kommt da noch was dazu. Ich bin ausgesprochen offen und wertschätzend (sagen zumindest meine Klient*innen über mich). Ausbildungen hin oder her, wie oft ich schon gehört habe, dass Menschen sich bei Therapeut*innen/Berater*innen/Coachx unwohl gefühlt haben. Weil die Paarberatung nur für zwei Leute war. Weil die Sexualberatung immer von Frauen und Männern sprach. Weil die Beratungsperson ständig Deadnaming betreibt. Sowas.

Das muss nicht sein und deshalb sprechen Menschen dann gerne mit mir. Und wer das immer noch unnütz findet, meine Glückwünsche oder Beileid. Glückwunsch zu dem festen, vertrauensvollen sozialen Netz um dich herum. Glückwunsch, dass es nichts im Leben gibt, was dich so sehr belastet. Beileid, falls es das doch gibt, du dich aber nicht traust, mit jemandem zu sprechen. Das tut mir leid.

Momentan kann ich da leider wenig anbieten. Ich hab so viele Ideen und Projekte dazu in meinem Kopf, aber es muss halt warten. Nach der Diss. Da geht es dann weiter.

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