Nachwehen

Oh man, jetzt schreibt die auch noch über die Bundestagswahl! – Ja, was habt ihr erwartet? Also, eigentlich will ich nicht über gestern reden. Sondern über morgen. 

Ich habe gestern Abend schon mitbekommen, dass Menschen sich nun mehr einbringen wollen. Gesellschaftlich, politisch. Das ist gut. Es ist tragisch, dass es das brauchte, aber arbeiten wir nun mit dem, was da ist.

Bourdieu hat mal gesagt, dass wenn er sich um etwas zu bewirken, manchmal persönlich engagiert hat, dann nie mit der Hoffnung, eine Mobilmachung auszulösen. Man merkt ihm da an, dass er ein Mensch der Praxis ist. Heute dürfen wir auch nicht hoffen, eine Mobilmachung auszulösen. Ich bin nicht 87%. Ich würde mich schämen. Ich bin höchstens irgendwo in 15% vertreten. Ich bin 15% von 87%. Weil mit der Union will ich sicher nicht für eine offene Gesellschaft stehen. Ich will vorwärts, nicht rückwärts.

Warum sage ich das? Weil ich glaube, dass wenn wir in den nächsten vier Jahren dafür kämpfen wollen, die Offenheit dieser Gesellschaft zu retten, und um nicht weniger und nicht mehr kann es gehen, dann müssen wir uns besinnen, was unsere Vision eigentlich ist. Und die tragen. Und ich bezweifle, dass wir uns mit der CDU da einigen. Oder ich mich mit der FDP. Was Profillosigkeit bewirkt, da frage man die SPD zu, die sich nun hoffentlich berappelt.

Erstmal irgendwie deprimierend, wenn wir doch eh keine Mobilmachung auslösen können? Bourdieu sprach noch weiter. Er sagte, dass „selbst wenn dadurch auch keine Mobilmachung […] auszulösen ist, […], dann doch wenigstens der Anschein von Einstimmigkeit durchbrochen wird, der das wesentliche Element der symbolischen Stärke des herrschenden Diskurses ausmacht“ (Bourdieu, 2004, S. 22).

Was heißt das für uns? Erstmal, zusammen ist man weniger allein. Lassen wir 100% da draußen wissen, dass wir da sind. Lassen wir die knapp 13% da draußen wissen, dass wir ihre Vision von Gesellschaft entschieden zurückweisen. Jeder Widerspruch, jeder Widerstand und sei er auch noch so klein, durchbricht die Illusion unwidersprochener Einstimmigkeit.

Ihr könnt jetzt Politik machen, in Orgas arbeiten, Menschen helfen, aber am wichtigsten wird sein, widersprecht, immer wieder. Sie sind nur stark, wenn wir schweigen.

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