WMDEDGT – Alltagswusel

Frau Brüllen möchte wieder wissen, was wir so den ganzen Tag machen, hier  findet man die anderen Einträge von heute und da ich die Frage gut finde, mache ich heute auch mal wieder mit.

Mein Wecker fängt wie immer um acht Uhr an zu leuchten. Ich stehe auf, schlüpfe in meinen Sportdress und drehe meine morgendliche Runde durch die Wohnung, die über Schlafzimmer, Küche (Kaffeemaschine anmachen!), Stube, Bad und wieder zurück führt. Dabei öffne ich auf dem Hinweg alle Fenster und schließe sie auf dem Rückweg. Der erste Espresso fließt etwas zögerlich in die Tasse und es hört sich an, als würde K9 (meine Kaffeemaschine) laut husten. Ich baue die Brühgruppe aus und mache alles sauber, beim zweiten Espresso ist das Husten dann weg.

Nach Espresso No. 2 ist der Sport dran, ich turne meine üblichen Übungen durch, heute für die Beine und heute in dolle. Meint doppeltes Gewicht auf den Hanteln. Wie ich auf diese Idee gekommen bin weiß ich ab Minute 3 von 20 auch nicht mehr so genau. Eigentlich packe ich mich nach dem Sporten immer warm ein und esse erst, aber heute war es dann doch so anstrengend, dass ich erst duschen gehe. Danach lese ich meine Emails, während die Spiegeleier mit Bratgemüse in der Pfanne brutzeln.

Bei Espresso 3 und 4 beantworte ich die Mails und warte auf den Heizungsmenschen. (Wir haben so Messröhrchen an den Heizkörpern, die werden jährlich getauscht.) Der Heizungsmensch ist pünktlich und wir plaudern über die neuen Thermostate die ich angebracht hatte (digital und so!). Dezember ist ja hier der Monat der Wartungswesen. Alle erdenklichen Zähler, Röhrchen, Melder und Konsorten werden im Dezember gewartet. Wann auch sonst.

Sobald er weg ist, setze ich mich an den Schreibtisch und fange an zu arbeiten. Ich segne ein Abstract für einen Artikel von mir und Kollegen ab, trommele Kolleginnen für zwei Call of Paper zusammen und so weiter. Typische Busywork. Eigentlich wäre ich heute in Büro 1, aber da habe ich grad so eine Art „Schrödingers Arbeitsplatz“ Syndrom. Wir ziehen von einem Gebäude ins andere, das eine ist schon leer, das andere aber auch, meine Kartons sind irgendwo in einem LKW unterwegs und so habe ich eigentlich zwei, eigentlich keinen Arbeitsplatz. Später erstmal fast geflennt vor Freude weil Frau Rabe den Job in Stockholm hat.

Mittags radele ich doch noch zur Uni, weil ich Dienstags immer mit einem Kollegen Mittag esse. (Er isst Salat und Pommes, ich meine Haferflocken aus der Tupperdose). Wir sprechen über unsere Filterblaseneigenheiten und wie das den Blick verstellt. Zum Beispiel dachte ich vor ein paar Wochen noch, Krafttraining sei mittlerweile der Fitnessstandard und wir würden alle Zahnseide oder Interdent-Bürstchen benutzen. Außerdem dachte ich, ich sei eine wenig bis mäßig aktive Sofakartoffel. Mehr Fehleinschätzungen meinerseits dann an anderer Stelle.

Ich radele wieder heim, geplant war eigentlich eine große Runde, aber da war ja dieses Workout am Morgen und ich muss ja auch noch vier Stockwerke in meinen Magierturm zurück.

Zu Hause setze ich mich wieder an den Schreibtisch und erledige Kleinkram für die Doktorarbeit, bis mir einfällt, dass ich den Nachmittag eigentlich frei machen wollte. Ich wechsle die to-Do Liste und ordere mehr Vorratsdosen (Vorkochen und so) – Überlege kurz mehr Dosen zu bestellen, weil die Mama Weihnachtskekse verteilen will, aber die wird ja hoffentlich die Dose mitgeben. Mir geht ja leider der Sinn für Festtage (egal welcher) und Deko vollständig ab. Leider, das wäre bestimmt voll toll, aber ich kann da so gar nichts mit anfangen. Ich hab nicht mal ne Adventskerze oder den kleinsten Hauch Tanne in der Wohnung. Im digitalen Körbchen landen auch noch Sauerspülung und warme Strumpfhosen.

Nach mehr Kaffee und meinem Nachmittags-Snack suche ich im Internet nach neuen Stühlen für die Küche und chatte mit lieben Leuten. Dabei läuft das neue Five Finger Death Punch Album, den Nachbarn zuliebe auf Kopfhörern.

Dem Anlass für den freien Nachmittag, nämlich dem Rockzuschnitt habe ich mich noch gar nicht gewidmet, ich bin auch etwas unmotiviert, weil ich keine Ahnung habe, wann ich sie dann mal genäht bekomme. Andererseits wird mir langsam kalt in den Sommerröckchen und ich habe nur zwei Winterkleider…

Ich schiebe das Problem vorbildlich auf und esse erstmal meine Spinatsuppe für heute.

Nach dem Essen raffe ich mich doch auf und suche zunächst meine Schnittmuster raus. Ich finde… das Schnittmuster, aber nicht meinen Übertrag. Verärgert messe ich erneut nach, rechne um und stelle fest.. mein Übertrag wäre zwei Nummern zu groß gewesen. Stimmt, beim letzten Holly war ich noch 8 kg mehr. Deshalb brauche ich ja überhaupt neue Röcke. #TeamLochzange und so weiter.

Ich plane also um und verbringe die Zeit mit übertragen auf dieses weiße Schnittmusterpapier. Obwohl ich Größe 4 gemessen habe, zeichne ich eine 6 ab. Abschneiden kann ich immer noch und irgendwie klingt vier so winzig klein (und ich bin gar nicht so winzig!), dass ich dem Maßband, mir, Sewaholic und überhaupt allen nicht traue. Für den Zuschnitt und den Übertrag auf den Stoff nehme ich mir vor endlich so einen Stift und ein Rädchen im Stoffladen zu erwerben. Und dann wohl auch eine Schnittmatte sonst zerrädere ich ja wahrscheinlich den ganzen  Tisch? Am Ende sind der neue Tellerrock und der Hollyburn übertragen.

Ich recherchiere noch ein wenig zu meiner Glyphosatfrage (und lande natürlich bei Spektrum) und beantworte dann (doch noch) ein paar Arbeits-Mails. Da ich momentan drei (Nichtarbeits-) Bücher gleichzeitig verkonsumiere, stellt sich spätestens dann das Problem der Wahl. Corinnes Buch über Schönheitsideale hatte ich passenderweise am Sonntag in der Badewanne angefangen, samt Haarkur auf dem Kopf. An Martha Nussbaums politischen Emotionen kaue ich schon etwas länger rum, was daran liegt, dass ich immer erst drüber nachdenken muss, bevor ich weiterlesen kann. Auf meinem Nachttisch liegt dann noch Moers neues Buch.  Prinzessin Insomnia ist mein Einschlafbuch.

Sobald ich die Waschmaschine scharf gestellt habe, folgt nur noch die abendliche Beautyroutine, Haare waschen und dann geht es ab ins Bett.

Hier schon mal eine gute Nacht!

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